Ob im Wirtschaftsteil der Tageszeitung, bei Diskussionen über finanzschwache Staaten oder bei Verhandlungen mit der eigenen Bank – immer wieder fällt der Begriff „Bonität“. Doch was genau ist darunter zu verstehen? Einen ersten Hinweis erhält man, wenn man sich den lateinischen Ursprung des Wortes anschaut: Bonitas bedeutet dort so viel wie „Güte“. Tatsächlich ist Bonität (Kreditwürdigkeit) definiert als die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person, ein Unternehmen oder ein Staat seinen Rückzahlungsverpflichtungen aus Krediten nachkommen kann. Um beim Beispiel aus der großen Politik zu bleiben: Deutschland besitzt eine sehr gute Bonität, während Griechenland mit einer niedrigen Bonität zu kämpfen hat. Ob Staat, Unternehmen oder Privatperson, immer gilt: Die Kreditwürdigkeit ergibt sich aus dem Verhältnis der Einnahmen zu den Zahlungsverpflichtungen.

Die wirtschaftliche Bonität

Bereits bevor ein Kredit vergeben wird, führt der Kreditgeber daher die sogenannte Bonitätsprüfung durch. Dabei wird anhand verschiedener Daten überprüft, ob der Kreditnehmer tatsächlich in der Lage ist, den Kredit auch zurückzuzahlen. Privatleute müssen daher in der Regel ihr Einkommen nachweisen und aufzeigen, welche monatlichen Fixkosten sie haben. Daraus kann dann errechnet werden, ob es realistisch ist, dass die vereinbarten Raten auch gezahlt werden. Bei dieser rein mathematischen Prüfung der finanziellen Verhältnisse spricht man von der sogenannten „wirtschaftlichen Bonität“. Diese speist sich aus aktuellen Daten und einer Prognose für die Zukunft.

Die persönliche Bonität

Allerdings muss für die Rückzahlung eines Kredits nicht nur die Zahlungsfähigkeit vorhanden sein, sondern auch die Zahlungswilligkeit. Diese wird anhand der sogenannten „persönlichen Bonität“ bewertet. Dafür werden vor allem Daten aus der Vergangenheit herangezogen. Wer also bereits öfter seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen ist, erhält eine niedrigere Kreditwürdigkeit als jemand, der immer pünktlich und zuverlässig seine Rechnungen beglichen hat. Gesammelt und zur Verfügung gestellt werden diese Daten in der Regel von Auskunfteien. Die bekannteste in diesem Zusammenhang ist die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung – kurz: SCHUFA.

Warum wird die Bonität geprüft?

Auch Banken haben kein Geld zu verschenken. Sie wollen daher sichergehen, dass der Kreditnehmer die versprochene Rückzahlung auch leisten kann und will. Selbiges gilt für Lieferanten und Händler, die schauen müssen, dass sie nicht auf zu vielen unbezahlten Rechnungen sitzen bleiben. Bei der Kreditvergabe spielt zudem noch ein rechtlicher Aspekt eine Rolle: Banken sind verpflichtet, zu prüfen, ob der Antragssteller fähig ist, die Kreditlast zu tragen – oder ob eine Überschuldung droht. Dies kann am einfachsten durch eine umfassende Bonitätsprüfung gewährleistet werden. Wie diese im Einzelfall aussieht, unterscheidet sich von Bank zu Bank aber leicht.

Welche Auswirkungen hat die Kreditwürdigkeit auf mich?

Grundsätzlich gilt: Je höher die Bonität, desto besser. Am einfachsten lässt sich dies am Beispiel eines Kredits verdeutlichen: Eine hohe Kreditwürdigkeit besagt, dass die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung sehr hoch ist. Banken werden also zum einen sehr gerne bereit sein, das Geld zu verleihen. Zum anderen können sie aber auch niedrige Zinsen gewähren, weil sie nur ein geringes Ausfallrisiko absichern müssen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Bei schlechter Bonität gibt es entweder gar keinen Kredit oder es müssen hohe Zinsen in Kauf genommen werden. Dieser Mechanismus lässt sich aber auch auf andere Bereiche des Alltags übertragen.

Bonität und Einkaufen

So hängt etwa die Höhe des eingeräumten Dispositionskredits und des Kreditkartenlimits ebenfalls von der eigenen Bonität ab. Ist diese zu niedrig, kann es sogar passieren, dass dieser komplett gestrichen wird. Ähnlich sieht es beim Online-Shopping aus: Bestellungen auf Rechnung sind für den Kunden am sichersten und bequemsten. Allerdings will der Händler auch sicher sein, dass er sein Geld erhält. Bei Bestellungen von Kunden mit zu niedriger Bonität wird er daher auf eine andere Zahlungsmöglichkeit bestehen – etwa die Kreditkarte oder PayPal. Selbiges gilt für Finanzierungen im stationären Handel. Oftmals wird dort mit zinslosen Krediten oder günstiger Ratenzahlung für Neuanschaffungen geworben. Diese gibt es aber nur bei einer ausreichend hohen Bonität.

Bonität und Mietvertrag

Ebenfalls relevant kann die eigene Bonität bei der Anmietung einer Wohnung werden. Denn der Vermieter überprüft in der Regel vor Abschluss eines Vertrags ebenfalls, ob der potentielle Mieter tatsächlich seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann und will. Teilweise fordert er dafür lediglich eine Selbstauskunft an. Oftmals wird aber auch eine vollständige Bonitätsprüfung inklusive Schufa-Auskunft durchgeführt. Insbesondere in begehrten Lagen mit vielen Interessenten kann eine niedrige Bonität daher dazu führen, dass die Vermieter gleich abwinken. Unter Umständen muss dann auf eine Wohnung ausgewichen werden, wo die Nachfrage nicht so hoch ist – oder der Vermieter kulanter.

Wie kann ich meine Kreditwürdigkeit verbessern?

Der wichtigste Punkt ist natürlich seinen Zahlungsverpflichtungen immer pünktlich nachzukommen. Geschieht dies dauerhaft, löst sich das Problem langfristig von alleine. Denn negative Einträge bei der Schufa etwa werden nach drei Jahren gelöscht. Teilweise stehen dort aber auch falsche Daten drin. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich eine Selbstauskunft einzuholen und im Zweifelsfall auf eine Löschung oder Korrektur zu bestehen. Ebenfalls wichtig: Noch offene Forderungen begleichen. Ist dies nicht möglich, sollte man sich zumindest mit dem Gläubiger in Verbindung setzen und einen realistischen Rückzahlungsplan vereinbaren.

Gemeinsamer Kreditantrag bei niedriger Bonität

Grundsätzlich gilt: Die eigene Kreditwürdigkeit kann in der Regel nur langfristig verbessert werden. Wer kurzfristig einen Kredit benötigt, muss daher auf die Hilfe anderer zurückgreifen. Dies ist durch einen gemeinsamen Kreditantrag möglich. In diesem Fall haften beide Antragssteller für die Rückzahlung des Kredits – wodurch die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung – sprich: Die Bonität – steigt. Aber Achtung: Kommt es zu einem Kreditausfall sinkt auch die Bonität beider Antragssteller. Hilft auch ein gemeinsamer Kreditantrag nicht, besteht zudem noch die Möglichkeit sich privat bei Freunden und Verwanden Geld zu leihen (Kredit von privat).